Mehr Demokratie e.V. - Landesverband NRW
Pressemitteilung 34/12 - Köln, 28.06.2012
Historikerstreit mündet in Bürgerentscheid
Münsteraner entscheiden am 16. September über Hindenburgplatz
In Münster läuft ein seit Jahren zwischen Politikern, Historikern und Bürgern geführter Streit
über die historische Rolle des früheren Reichspräsidenten Paul von Hindenburg jetzt auf
einen
Bürgerentscheid hinaus. Der Rat der Stadt hat gestern eine Rücknahme der im März
beschlossenen Umbenennung des Hindenburgplatzes in Schlossplatz abgelehnt. Damit
kommt es am 16. September zu einem Bürgerentscheid über den zukünftigen Namen des
Platzes.
Begründet wurde die Entscheidung für die Umbenennung mit der Rolle Hindenburgs. Dieser
habe 1932 ohne Not die letzte demokratische Regierung abgesetzt und Hitler zum
Reichskanzler ernannt, weil er diesen gewollt habe. Hindenburg stehe außerdem für
Besatzungspolitik und Hegemoniestreben während des 1. Weltkrieges, habe die
"Dolchstoßlegende" propagiert und nationalsozialistischer Morde gerechtfertigt und
legitimiert. Seit 1929/30 habe Hindenburg aktiv an der der autoritären Verformung der
parlamentarisch-demokratischen Verfassungsordnung mitgewirkt und schließlich auf deren
Zerstörung hingearbeitet.
Eine vom Ältestenrat des Rates eingesetzte Expertenkommission "Straßennamen" war 2011
zur Einschätzung gelangt, dass der Name Hindenburgplatz aufgrund der Rolle des
Reichspräsidenten in der Geschichte nicht mehr zu halten sei. In einer Bürgerbefragung der
Stadt waren 48,3 Prozent der Ansicht, dass es heute keinen Anlass mehr gebe, Hindenburg
mit einem Platz zu ehren. Diese Umfrage sah sich allerdings heftiger Kritik ausgesetzt, weil
sie gewünschte Antwort vorgegeben habe.
Die Bürgerinitiative "Pro Hindenburgplatz" hatte gegen die Umbenennung des Platzes ein
Bürgerbegehren gestartet, das seit Ende März mehr als 15.000 Münsteraner unterschrieben
hatten. Verschiedene repräsentative Umfragen der letzten Jahre hätten gezeigt, dass eine
große Mehrheit der Münsteraner am Namen Hindenburgplatz festhalten wollten, so die
Initiative. Der Hindenburgplatz habe seinen Namen seit 85 Jahren getragen und sei als
zentraler Ort der Stadt weit über Münster hinaus bekannt. Viele Münsteraner verbänden mit
ihm ein Stück Heimat. Mit der Beibehaltung des alten Namens solle Erinnerungskultur
bewahrt werden, statt die Geschichte einfach auszulöschen.
Mehr Informationen:
Bürgerentscheid über Hindenburgplatz in Münster
Thorsten Sterk
Pressesprecher